📖 Passend dazu: Welche Marken halten ihren Wert? — Kaufvertrag richtig erstellen
1. Vor der Suche: Bedarf und Budget klären
Bevor Sie inserieren-Plattformen durchforsten, klären Sie Ihre Anforderungen: Wie viele Sitze brauchen Sie? Stadt- oder Langstreckenauto? Wie hoch ist Ihr Budget – inklusive Versicherung, Steuern und allfälliger Reparaturen? Erstellen Sie eine Liste mit 3–5 in Frage kommenden Modellen, die Sie nach Motorisierung, Baujahr, Leistung, Ausstattung und Kilometerstand vergleichen. So bekommen Sie ein Gefühl für realistische Preise.
2. Die Besichtigung – immer bei Tageslicht
Kaufen Sie ein Occasion-Auto niemals ungesehen, denn Bilder täuschen. Besichtigen Sie das Fahrzeug persönlich vor Ort, bei Tageslicht und in trockenem Zustand – so sind Farbdifferenzen durch Nachlackierungen, Beulen und Kratzer am besten sichtbar. Nehmen Sie idealerweise eine zweite Person mit, am besten jemanden mit technischem Verständnis. Worauf achten:
- Karosserie: Rost, ungleichmässige Spaltmasse, Farbunterschiede (Hinweis auf Unfallreparatur)
- Lack: glänzend, glatt, gleiche Farbe an allen Teilen
- Scheiben: Windschutzscheibe frei von Rissen und tiefen Kratzern
- Beleuchtung: Scheinwerfer, Blinker und Heckleuchten alle intakt
- Reifen: Profiltiefe und gleichmässiger Abrieb (ungleichmässig = Spur-/Fahrwerksproblem)
- Innenraum: Abnutzung passend zum Kilometerstand? Stark abgenutztes Lenkrad bei angeblich wenig Kilometern ist verdächtig.
3. Die Papiere prüfen
Nehmen Sie nicht nur das Auto, sondern auch die Dokumente genau unter die Lupe. Im Fahrzeugausweis finden Sie den früheren Halter, die erste Inverkehrsetzung und die letzte amtliche Prüfung. Prüfen Sie:
- Serviceheft: Wurden Inspektionen regelmässig und fristgerecht durchgeführt? Lückenlos?
- MFK-Datum: Wie lange ist die letzte Motorfahrzeugkontrolle her? (Empfehlung: nicht älter als 8 Monate)
- Anzahl Vorbesitzer: Viele Halterwechsel in kurzer Zeit können ein Warnsignal sein
- Kilometerstand: Stimmt er mit Serviceheft und Abnutzung überein?
4. Die Probefahrt – ohne Musik
Eine ausgiebige Probefahrt ist unerlässlich. Schalten Sie das Radio aus, um ungewöhnliche Geräusche zu hören. Testen Sie:
- Motor: Startet er sauber? Läuft er rund? Rauch aus dem Auspuff?
- Bremsen: Greifen sie gleichmässig? Ziehen sie zur Seite? Vibrationen?
- Lenkung: Geradeauslauf ohne Korrektur? Ungewöhnliche Geräusche beim Einschlagen?
- Getriebe: Schaltet es sauber? Ruckt die Automatik?
- Elektronik: Funktionieren alle Warnleuchten, Klima, Fenster, Assistenzsysteme?
5. Garantie und Gewährleistung
Ein wichtiger Unterschied zwischen Händler und Privatverkauf: Händler haften nach Schweizer Gesetz grundsätzlich zwei Jahre für Mängel. Aber Achtung – diese Garantie wird von vielen Händlern gekürzt oder ganz ausgeschlossen. Vereinbaren Sie ausdrücklich, ob Sie eine Voll- oder Teilgarantie erhalten und wie lange. Eine Occasionsgarantie von einigen Monaten ist immer empfehlenswert. Bei Privatkäufen gibt es meist keine Garantie – der Verkäufer muss Sie aber über bekannte Unfallschäden und Mängel informieren.
6. Den Preis verhandeln
Gefundene Mängel sind Ihre besten Argumente für die Preisverhandlung. Notieren Sie alles, was Ihnen bei Besichtigung und Probefahrt aufgefallen ist. Vergleichen Sie den geforderten Preis mit ähnlichen Fahrzeugen (gleiches Modell, Baujahr, Kilometerstand, Ausstattung). Wenn ein Angebot zu gut erscheint, um wahr zu sein, ist Vorsicht geboten – das gilt besonders bei Online-Angeboten ohne Besichtigungsmöglichkeit.
7. Der Kaufvertrag
Halten Sie alles schriftlich fest: Kaufpreis, bekannte Mängel, Garantievereinbarungen, Übergabedatum. Eine Quittung allein reicht nicht. Nutzen Sie unseren kostenlosen Kaufvertrag-Generator – er funktioniert für Käufer und Verkäufer gleichermassen. Vertrauen ist gut, aber sämtliche Zusicherungen gehören schriftlich in den Vertrag.
Häufige Fehler beim Autokauf
Ein Fahrzeugkauf ist oft emotional – entsprechend werden Entscheidungen manchmal zu schnell getroffen. Die häufigsten Fehler: ungesehen kaufen, keine Probefahrt machen, Papiere nicht prüfen, unter Zeitdruck entscheiden, keinen schriftlichen Vertrag aufsetzen und Anzahlungen leisten, bevor man das Auto gesehen hat. Lassen Sie sich Zeit und gehen Sie systematisch vor.
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